Einleitung

Die Verkehrssituation in Bochum ist immer noch im Denken der Nachkriegsjahre gefangen. Für eine Verkehrsinfrastruktur von morgen müssen wir in Bochum Wege finden, um wegzukommen von überfüllten Straßen und Feinstaubbelastung in der Luft. Vorbilder sind für uns Städte wie Kopenhagen, die es geschafft haben, durch ein radikales Umsteuern ihrer Verkehrspolitik ihre Innenstädte wesentlich lebendiger und lebenswerter zu machen. Dafür wollen wir intelligente Verkehrskonzepte fördern, wie die Vernetzung von Verkehrsmitteln und Carsharing.

Die derzeitigen Bemühungen der Stadt sind nicht mutig genug und darüber hinaus ambitionslos. Die Nutzung von öPNV und dem Fahrrad muss einfacher und attraktiver werden. Unser Fernziel ist ein fahrscheinloser öPNV für die ganze Stadt. Mit einer modernen Verkehrspolitik sinkt die Kraftfahrzeugdichte in den Innenstädten ganz von selbst. Davon profitieren alle: die Anwohner und Besucher von einer in jeder Hinsicht gesünderen Umwelt, die Autofahrer durch entspannteres Fahren in einem stressarmen, durchlässigen Straßenverkehr. Die Stadt wird dadurch auch für junge Familien attraktiver, die sich so eher in Bochum ansiedeln werden.

Mittel- und langfristig rechnen sich die Investitionen in die öPNV- und Fahrrad-Infrastruktur, denn wie sich in anderen Städten gezeigt hat, werden teure Straßenabnutzungen reduziert und die Verbesserung der Luft und Bewegung wirken sich positiv auf die Gesundheit der Bürger aus. Bochum ist mit seinen vielen jungen Menschen und Studenten prädestiniert dazu, Leuchtturm für das Verkehrskonzept der Zukunft im Ruhrgebiet zu werden.

Verkehr

Fahrscheinloser öPNV

Die Piraten Bochum sind davon überzeugt, dass ein fahrscheinloser öffentlicher Personennahverkehr nicht nur für die Gesellschaft und Umwelt, sondern auch für die Wirtschaft langfristig einen Gewinn darstellt. Diese Maßnahme ermöglicht es, mehrere Ziele zugleich zu erreichen. Die Stadt als zusammenhängender Lebensraum wird aufgewertet, da in Ballungsräumen eine stärkere Nachfrage zu einem attraktiveren Angebot führen wird. Ebenfalls steigert der öffentliche Personennahverkehr zum „Nulltarif“ die Anziehungskraft unserer Stadt auf auswärtige Besucher. Wir sind für einen fahrscheinlosen öPNV in Bochum. Dieser darf nicht mit einem kostenlosen Angebot verwechselt werden. Der fahrscheinlose öPNV soll durch eine Umlage gemeinschaftsfinanziert werden.

Ausbau ÖPNV

Die Taktfrequenzen des öPNV sind auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger auszurichten und im Bedarfsfall zu verdichten. Wo und wann Fahrgelegenheiten benötigt werden, soll durch Bürgerumfragen ermittelt werden. Die Nachtexpress-Linien sollen künftig täglich und nicht nur in der Nacht zum Samstag, Sonntag und vor Feiertagen fahren. Einen barrierefreien Zugang zu den Bahnhöfen möchten wir bis 2020 anstreben. Um Busse und Straßenbahnen für den Weg zur Arbeit noch attraktiver zu machen, wollen wir in diesen stückweise ein kostenloses WLAN-Netz aufbauen. Dadurch kann man auf dem Weg zur oder von der Arbeit in Ruhe E-Mails lesen, arbeiten oder einfach nur im Internet surfen anstatt im Stau zu stehen und sich zu ärgern.

Sicherheit statt Überwachung

Die Verkehrsbetriebe versuchen, das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste in den Bussen und Bahnen durch den flächendeckenden Einsatz von überwachungskameras zu steigern. In einer tatsächlichen Gefahrensituation können Kameras jedoch nicht eingreifen und Straftaten verhindern, sondern erleichtern lediglich die Strafverfolgung. Wir brauchen nicht mehr teure Scheinsicherheit, die jeden Bürger zum Verdächtigen abstempelt, sondern mehr und besser geschultes Personal, das auch auf Bahnhöfen und in den Fahrzeugen im Vorfeld schwere Straftaten verhindert.

Kostenlose Parkplätze für Carsharing

Um die Rahmenbedingungen für Carsharing in Bochum zu verbessern und die Hürden für die Nutzung von Carsharing-Angeboten abzubauen, wollen wir in Absprache mit den Betreibern der Angebote vor allem im Bereich der Innenstadt, an zentralen S-Bahn-, Straßenbahn- und U-Bahnhöfen, aber auch in den äußeren Stadtgebieten Parkplätze zu kostenlosen Parkmöglichkeiten für Carsharing-Angebote umwandeln und für diese reservieren. Wichtig ist uns dabei, dass alle Anbieter gleich behandelt werden. Diese Maßnahme ist für die Stadt kostenneutral und macht Carsharing attraktiver, weil durch die Nutzung die lästige Suche nach Parkplätzen und das Zahlen von Parkentgelt entfällt. Zudem ist es an solchen Punkten für Carsharing-Kunden leichter, ein Anschlussfahrzeug zu finden und die Vernetzung von Carsharing und öPNV ermöglicht vielen Leuten, auf ein eigenes Fahrzeug komplett zu verzichten. Durch diese Maßnahme hoffen wir, dass die Betreiber des Carsharing Angebots ihr Angebot in Bochum deutlich erweitern und durch die höhere Akzeptanz in der Bevölkerung von den derzeitigen zentralen Ausleihstationen zu dezentralen, über die ganze Stadt verteilten Abstellmöglichkeiten übergehen.

Elektrozapfsäulen für Carsharing

Carsharing-Angebote sind durch die meist kurzen Fahrstrecken und die langen Standzeiten prädestiniert für die Nutzung von Elektroautos. Um dieses Angebot anzuregen, wollen wir in Absprache mit Betreibern von Carsharing-Angeboten an zentralen, für Carsharing-Kunden reservierten Parkplätzen elektronische Auflademöglichkeiten kostenlos bereitstellen.

Fahrradfreundliche Stadt

Wir wollen durchgängige Verkehrswege für Fahrradfahrer in ganz Bochum, die Umwandlung von Parkflächen auf Gehwegen zu Fahrradwegen, mehr öffentliche Abstellflächen für Fahrräder, Haltegriffe für Fahrradfahrer an Verkehrsampeln und die gezielte Einrichtung von Tempo-30 Zonen an Stellen, an denen sich viele Fahrradfahrer die Straße mit Autofahrern teilen. Somit werden Anreize für Bürger geschaffen, auf das Fahrrad als Verkehrsmittel umzusteigen, wodurch letztendlich alle Bürger profitieren. Einsparungen sehen wir durch den Rückgang von nötigen Ausbesserungsarbeiten am Straßenbelag durch verringerte Nutzung von Autos, die mittel- und langfristig die Investitionen in ein Fahrradstraßennetz mehr als zurückerwirtschaften werden.

Metropolradruhr-Stationen an Bahnhöfen

Das Netz der Metropolradruhr-Stationen wollen wir ausbauen und besser mit dem öPNV verknüpfen. Dafür wollen wir Stationen zur Fahrradentleihe und -rückgabe an allen S-Bahn-Stationen und größeren Straßenbahn und U-Bahn-Stationen errichten. Dadurch fällt es Reisenden des öPNV leichter, zu ihrem Ziel zu gelangen und sie müssen für Ziele, die weiter entfernt von der Station liegen, nicht ihr Auto benutzen.

 

Ein Kommentar

  1. 1
    Thomas Scharkowski

    Mehr Fahrradwege machen die Stadt nicht Fahrradfreundlicher, im Gegenteil: Fahrradwege führen zu vermehrten Unfällen im Kreuzungsbereich. Viele getötete Radfahrer durch rechtsabbiegende PKW oder LKW wären noch am Leben, wenn es keine Radwege gäbe, die die Radfahrer aus dem Sichtbreich der Motorisierten Fahrer verbannt. Der eigentliche Zweck von Radwegen ist, freie Bahn für die Motorfahrzeuge zu schaffen, wie vor 80 Jahren noch offen zugegeben wurde:
    „Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“ (Presemitteilung des Reichsverkehrsministeriums in Hinblick auf die olympischen Spiele 1936).

Was denkst du?